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Auf den Hund gekommen?


B. M. AY

„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst? Ein Hund! Und noch dazu einWelpe. Horst? In deinem Alter?!“ rief Ahmet und deutete auf die Bücher auf Horsts Küchentisch.

„Kostet Zeit und Geld, ich weiß. Zeit habe ich, jedenfalls mehr als mir guttut. Geld? Er wird mir schon nicht die Haare vom Kopf fressen! Dass mit dem Alter ist auch geklärt. Mein Neffe übernimmt den Hund, wenn mal was mit mir sein sollte. Zufrieden? Themenwechsel! Ich habe Hunger“, parierte Horst entschieden.

„Darf ich?“ fragte Ahmet und nahm eines der Hundebücher zur Hand, als sie das Frühstück beendet hatten. Horst räumte den Tisch ab, machte den Abwasch und verschwand dann im Keller. Als er geraume Zeit später die Küche wieder betrat, legt Ahmet das Buch beiseite.

„Ich glaube ich weiß jetzt, wie du auf den Hund gekommen bist“, sagte er. „Keine schlechte Idee in Zeiten wie diesen und danach sicher auch nicht. Aber meine Frau hat ja einen Vogel. Ihren Ziegensittich meine ich natürlich. Der macht schon genug Zicken, der Sittich. Alles lässt die dem durchgehen, sag ich dir. Beim kleinsten Mucks gibt`s ein Leckerli. Sitzt er mal zu lange zu ruhig da, vergewissert sie sich, dass ihm nur ja nichts fehlt. Nichts ist ihr zu viel für das Tier. Vogel müsste man sein.“

„Hhm“, bemerkte Horst. „Vogel sein? Oder doch lieber einen Vogel haben? Das ist hier die Frage. Spricht er denn, euer Sittich?“

„Nein“, antwortete Ahmet.

„Na siehst du“, stellte Horst grinsend fest. „Wer nicht spricht, gibt auch keine Widerworte und ist damit sehr beliebt bei den Damen.“

„Du meinst, ich sollte aufhören zu reden und stattdessen den Pantoffelhelden geben?“ rief Ahmet entsetzt.

„Du? Ausgerechnet Du?!“, prustete Horst. „Vergiss es! Du kriegst das keine Minute hin, weder den Schweigsamen noch den Pantoffelhelden.“

„Danke. Da bin ich aber auch froh drum“, meinte Ahmet spitz. „Kann ich das Buch hier mal ausleihen?“

„Klar“, antwortete Horst. „Ich bin eh fast durch damit. Aber pass bloß auf, dass du nicht auch auf den Hund kommst.“

„Und wieso, wenn ich fragen darf?“

„Weißt du“, erklärte Horst nachdenklich. „Ich suche jetzt schon seit einem halben Jahr nach einem passenden Welpen, und es wird zunehmend schwieriger. Nicht nur, dass der Markt im Moment leergefegt ist. Inzwischen kommen auch auf Würfe, die noch in Planung sind,so an die 200 Interessenten. Die Züchter gehen nicht mal mehr ans Telefon. Manche schreiben gar auf ihrer Internetseite, man möge bitte Verständnis dafür haben, dass sie keine e-mail-Anfragen mehr beantworten.“

„Hast du es mal beim Tierschutz versucht?“ fragte Ahmet. „Also ich würde da wenigstens mal reinschauen.“

„Da bitte“, sagte Horst, startete sein Laptop, schob es Ahmet über den Küchentisch und verließ den Raum.

Als er sich etwas später mit der Tagespost wieder an den Tisch setzte, sagte Ahmet: „Nicht zu fassen! In der kurzen Zeit habe ich jetzt fünf Tierheime aufgerufen. Komplett abgegrast, so gut nichts in der Vermittlung.“

„Bingo!“ rief Horst. „Und jetzt mach mal die Beschreibung von einem der Hunde auf, die noch zu haben sind. Nimm einen x-beliebigen. Steht so gut wie überall dasselbe.“

„Problemhunde?“

„Das kannst du aber laut sagen! Echte Problemhunde! Solche, die das System erst verdorben und dann ausgespuckt hat. Die, die nur noch Flucht oder Angriff kennen. Die, denen das gesamte, gesunde Sozialverhalten komplett ausgetrieben wurde“, antwortete Horst wütend.

„Die Betonung liegt schon auf wurde. Dafür sind ja wohl die ehemaligen Halter verantwortlich“, stellte Ahmet fest.

„Natürlich“, erwiderte Horst gedehnt. „Allein, mir fehlt langsam der Wille auszubügeln, was diverse Herrschaften verbockt haben.“

„Horst?!“

„Nein, du hast dich nicht verhört“, sagte Horst leise. „Wenn ich auf unser Leben zurückschaue, sehe ich uns immer nur die Karre aus dem Dreck ziehen, Umstände, die nicht mehr zu ändern sind, für die Belegschaft erträglicher machen.... Kurz: Ausbügeln, Abfedern, Aufrichten, damit die Kollegen nicht ganz auf den Hund kommen, nachdem sie die – ich weiß nicht wievielte – Umstrukturierung des Betriebs über sich ergehen lassen mussten. Mit fast 70 sag ich dir jetzt mal was: Die Karre darf erst gar nicht im Dreck landen!“

„Tut sie aber – jeden Tag auf's Neue – bei uns und überall auf der Welt.“

„Und engagierte Menschen ziehen sie da wieder heraus – jeden Tag auf's Neue – bei uns und überall auf der Welt – bis ans Ende aller Tage? Nein, ohne mich!“

„Du steigst aus?“

„Definitiv! Und ich steige erst wieder mit von der Partie, wenn klar ist, dass die Karre auf ein besseres Gleis gesetzt werden wird, eins, auf dem die Richtung stimmt und dessen Führung einem menschenwürdigen Regelwerk folgt.“