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Sprechen wir darüber!


B. M. AY


„Als Familienvater mit reichlich Lebenserfahrung hab ich sie dann mal gefragt, wie sie es hinbekommen hat, dass offensichtlich immer alle satt wurden. Ach weiß du mein Bub, hat sie da geantwortet. Das war wirklich keine große Kunst. Ich habe die Menschen beobachtet und daraus gelernt: Solange sie glauben, es sei mehr als genug für alle da, essen sie nur halb so viel, wie sie eigentlich bräuchten. Erweckst du dagegen den Eindruck es sei knapp, dann putzen sie doppelt soviel weg wie ihnen guttut“, erklärte Ahmet.

„Gewitztes Persönchen, deine Tante“, sagte Horst anerkennend. „Sind die bei euch alle so pfiffig?“

„Ja, und das zu einhundert Prozent!“ seufzte Ahmet. „Gott allein weiß warum.“

„Das sollte man wohl meinen. Immerhin hat er sie erschaffen“, antwortete Horst mit einem breiten Grinsen.

„Angeblich aus einer unserer Rippen!“ knurrte Ahmet. „Wer glaubt denn so was? Immerhin haben wir sie ja noch alle! Die Rippen meine ich natürlich. Zwölf auf jeder Seite. Kannst du in jedem Biologiebuch nachlesen.“

„Naja, vielleicht hat sich da während der letzten paar tausend Jahre die eine oder andere Erzähl-Variante eingeschlichen. Möglicherweise hat er auch einfach ein Stück von Adams Gehirn genommen, um Eva daraus zu schaffen. Das würde uns jetzt im Oberstübchen abgehen. Fällt aber nicht ganz so krass auf wie eine fehlende Rippe“, kicherte Horst.

„Das würde einiges erklären“, überlegte Ahmet. „Aber wie konnte er uns das antun!?“

„Wieso Er? Niemand hat IHN je gesehen. Vielleicht ist ER ja eine SIE“, antwortete Horst.

„Das wird ja immer besser! Bist du sicher, dass du noch alles essen darfst?“ rief Ahmet.

„Oh! Oh!“ erwiderte Horst lachend. „Kann es sein, dass bei euch der Haussegen schief hängt?“

Ahmet sah den Freund lange durchdringend an. „Das ist nicht komisch!“ sagte er dann scharf.

Horst schwieg erschrocken und überlegte, wie er aus diesem interkulturellen Fettnäpfchen wieder herauskommen könnte.

„Bei uns redet ein Mann nicht über seine Frau und die Dinge, die sich hinter der Haustür abspielen“, erklärte Ahmet eine Weile später. „Wenn einer mit so was anfängt, denken die anderen, dass er seine Familie nicht im Griff hat. Das geht bei uns überhaupt nicht! Frauen haben es da leichter. Wenn die Druck auf dem Kessel haben, gehen sie mal eben zur Nachbarin, lassen sich mit Kaffee und Gebäck verwöhnen und ab geht die Post: Wie die da gegenseitig über ihre Männer ablästern! Kein Blatt nehmen die vor den Mund, sag ich dir. Ich hab da als kleiner Bub oft zugehört, bis ich nicht mehr mit durfte hat, weil ich mich bei meinem Vater mal verplappert hatte.“

„Auf Frau reimt sich schlau“, meinte Horst trocken.

„Wem sagst du das! Während du noch nach Worten suchst, werfen die schon ihr Hirn an und basteln an der Antwort. Die kommt dann wie aus der Pistole geschossen. So geht das den lieben langen Tag!“ schnaubte Ahmet. „Wenn ich meine nicht so lange kennen würde und nicht wüsste, dass sie auch ganz anders sein kann, dann....“

„Dann was?!“ unterbrach Horst. „Wir sind im Ausnahmezustand. Du, ich und alle um uns herum. Da wirst du doch wohl nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.“

„Ja, du hast gut reden!“ brauste Ahmet auf und sah sich demonstrativ um.

„Völlig richtig“, beschwichtigte Horst. „Niemand da. Keiner mit dem ich aneinandergeraten könnte.“

„So wollte ich das nicht verstanden haben“, murmelte Ahmet betreten.

„Ah ja. Wolltest du nicht? Deine Blicke waren aber sehr vielsagend!“

„Tut mir leid.“

„Schon gut“, antwortete Horst. „Im Moment geht es niemandem so richtig gut. Wie denn auch? Egal wo du hingehst, du bist niemals sicher, ob das Corona-Virus nicht schon längst vor Ort ist. Oder eine der Mutanten? Du hast Probleme mit der Zweisamkeit? Ich hab Probleme mit der Einsamkeit!“

„Du hast Probleme?“ fragte Ahmet erstaunt.

„Andere als du vielleicht. Alles in allem aber ganz sicher nicht weniger als du“, antwortete Horst belustigt. „Das heißt aber doch nicht, dass wir mit allem und jedem ganz alleine fertig werden müssen, bloß weil wir Männer sind.“

„Sicher?“ fragte Ahmet zweifelnd.

„Ganz sicher!“ antwortete Horst. „Meine Tür steht dir immer offen und die Ohren auch. Im Übrigen glaube ich, dass deine Frau und ihre Freundin sich gerade bei Kaffee und Kuchen gegenseitig aufrichten.“

„Du meinst, über ihre Männer ablästern!?“ rief Ahmet.

„Ach weißt du mein Lieber“, sagte Horst ruhig. „Ich denke du siehst das zu negativ. Diese Art Probleme abzuarbeiten, ist doch augenfällig gesünder für alle Beteiligten. Immerhin haben Frauen statistisch die höhere Lebenserwartung.“