TEILEN – DIESE SEITE DUNKEL IST!

B. M. AY

Teilen heißt abgeben von dem was man hat? Teilen für sich gesehen ist neutral. Erst im Austeilen, Abteilen, Aufteilen, Mitteilen, Unterteilen, Verteilen, Zuteilen, Zerteilen… erfährt es durch einen kleinen Zusatz eine Differenzierung. Ob es dadurch eine positive oder negative Färbung bekommt, ist wiederum abhängig davon, welche Absichten hinter den jeweiligen Handlungen stehen. Ausgeteilt werden können dringend benötigte Güter, oder auch Schläge…. Beim Aufteilen, Verteilen und Zuteilen kann es gerecht zugehen, aber eben auch so ungerecht, dass die große Mehrheit leer ausgeht. Teilen findet sich auch in übervorteilen, benachteiligen…, Handlungen, die je nach Gesetzeslage sogar strafbar sein können.

Last not least steckt es in umverteilen, dem Wort, das die oberen Zehntausend fürchten wie der Teufel das Weihwasserbecken. Bedeutete es doch schon oft in der Geschichte, dass sie nach Aufständen – der an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit geratenen Massen – nach „unten“ abgeben mussten. Der materielle Regen von oben hat sich in den „unteren“ Schichten jedoch nie lange genug gehalten, um nachhaltig einzusickern zu können. Geld und andere Besitztümer scheinen, wie Wasserdampf, zum Einen die Eigenschaft zu haben stets nach oben zu steigen. Zum Zweiten begnügten sich die „Oberen“ nie damit zu warten, das die Gesetze dieser „Physik“ ihr Werk tun. Mit langen, dicken Schläuchen saugen sie seit jeher eilig und gierig ab, womit „Die-Da-Unten“ angeblich sowieso nicht vernünftig umgehen können.

„Teile und herrsche“ sei ein zentraler Leitsatz im alten Rom gewesen, sagt man. Wahrscheinlich ist es sogar ein uraltes Prinzip in sozialen Gefügen. Viel älter als die Menschheit selbst, überall dort zu finden, wo sich Lebewesen in größeren Verbänden zusammen tun, sich Hierarchien herausbilden und Einzelne versuchen die Geschicke der Gemeinschaft zu lenken. Wer mit niemandem teilen möchte, steht sehr schnell alleine da und ist damit ganz automatisch entthront. Wen soll er dann beherrschen – außer sich selbst? Auch das wird ihm – außerhalb des Sozialsystems, in das er ursprünglich geboren wurde – nicht gelingen. Denn bevor er den Zustand der „Selbstbeherrschung“ erreicht, wird er längst eingegangen, verwahrlost, irregeworden…. sein. Also? Niemand hat je über andere geherrscht, ohne vorher die Kunst des Teilens so gründlich studiert zu haben, dass dieses Teilen stets mit einem Zuwachs an Macht, materiellen Gütern und Ansehen für ihn einhergeht. Schafft er es ein gutes Dutzend korrumpierbarer Vasallen um sich zu scharen, kann der angehende Potentat seinen Einfluss langsam aber stetig zu absoluter Macht ausbauen. Dann braucht er nicht mehr zu teilen. Es reicht völlig, wenn er seinen Gefolgsleuten körperliche Unversehrtheit zusagt. Damit diese sich aber nicht etwa auf seiner Zusage ausruhen und in ihrem Diensteifer nachlässig werden, lässt der Boss von Zeit zu Zeit einen von ihnen in Ungnade fallen, einsperren, enteignen oder gar über die Klinge springen. Leider verhilft diese Art des Teilens und Herrschens nicht nur zu absoluter Macht. Es macht den Herrscher bei seinem Volk mit der Zeit auch zum Inbegriff des Bösen, was wiederum seine Macht bröckeln lässt. Es wird Menschen geben, die sich -angesichts immer größeren Drucks von oben – gegen ihn wenden, ihrerseits eine stetig wachsende Anhängerschaft hinter sich versammeln, die – groß genug geworden – diesen einen Bösen mit einem Streich vom Thron stoßen kann. Der Arme!?

Gottlob gibt es noch ein Teilen-und-Herrschen, dass zu sehr viel stabileren Verhältnissen im Sinne der Herrscher und ihrer Erben führt. Ein Modell kombinierbar mit allen anderen Instrumenten der Macht und unverzichtbarer Teil der höheren Kunst der Politik. Es sieht die prä- ventive Schaffung einer gewissen Anzahl von „Bösen“ vor, auf die sich „Volkes Zorn“ sehr schnell umlenken lässt, wenn das bestehende System infrage gestellt wird.