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Leben um zu kaufen?


 B. M. AY

Alle zwei Sekunden wächst die Weltbevölkerung um fünf neue Konsumenten. Mit über sieben Milliarden kann unsere Wirtschaft derzeit bereits kalkulieren, und wir steuern munter auf die Acht-Milliarden-Marke zu. „Katastrophe!“ kreischen die einen. „Können wir locker ernähren“, meinen die anderen. Ganz gleich, welche Seite am Ende Recht behält, sicher ist, dass auch beim Bevölkerungswachstum eines Tages eine Grenze erreicht sein wird, ab der eine menschenwürdige Versorgung aller Menschen nicht mehr möglich ist. Genauso sicher ist, dass der Mensch von der Existenz der ihn umgebenden Natur absolut abhängig ist, die Natur aber ohne den Menschen über Jahrmillionen bestens ausgekommen ist. Was also wird sie tun, wenn es ihr endgültig reicht mit uns? Aussortieren? Nach ihren Gesetzen? Oder?... Endzeitszenarien aller Ausprägung gibt es seit Menschengedenken. Ganz abgesehen davon, dass keines davon bisher eingetreten ist, bringt uns die intensive Beschäftigung damit – auch, weil es letztendlich dann doch immer anders kommt als gedacht – der Antwort auf die Frage, wie MENSCHENWÜRDIGES LEBEN FÜR ALLE auf diesem Planeten aussehen sollte, keinen Schritt näher. 

Wirtschaft, wie wir sie derzeit betreiben, muss wachsen. Schon der kleinste Rückgang beim Wirtschaftswachstum, löst in diesem System eine Panik aus, die ihresgleichen suchen muss. „Raubtier-Kapitalismus!“ beschimpfen einige das System. Schlichtweg eine Beleidigung der Raubtiere! Denn die töten nur so viel wie sie fressen können, fressen nur so viel wie ihr Magen fassen kann und ziehen sich dann zurück, sodass andere sich an dem Riss bedienen können. 

Fatalerweise versucht man unsere Wirtschaftsordnung mit natürlichen Vorgängen zu vergleichen. Um sich besser mit ihr arrangieren zu können? Eine folgenschwere Verharmlosung, denn diese Wirtschaft geht über Leichen, kennt keinen Respekt vor dem Leben, überrennt alles und jeden um des Wachstums willen…. UND ist die einzige Spezies auf diesem Planeten, die wir mit Fug und Recht als NIMMERSATT bezeichnen können. Hoppla, ist das nicht doch eher der Mensch? Das stellen die Strippenzieher im System Kapitalismus gerne so dar, um von der Problematik des Systems, dass sie so unermesslich „reich“ macht, während die große Masse darunter leidet, abzulenken. So geben sie auch immer wieder die Parole aus, dass die Armut ganzer Nationen eine Folge der Überbevölkerung sei. 

Gleichzeitig verdienen sie blendend an der ständig wachsenden Bevölkerung. Sie muss tagtäglich und von Jahr zu Jahr immer mehr werden, immer mehr Konsumenten generieren, die weıteres Wirtschaftswachstum erst ermöglichen. Wie es den Menschen damit geht? Uninteressant! Solange sie das vorgegebene Konsum-Soll erfüllen.

Wir sind auf Kaufen getrimmt. So gründlich, dass Kaufsucht längst als Störung anerkannt ist. Einzelne, die der Kaufrausch an den Rand des materiellen und seelischen Ruins manövriert hat, werden bereits therapiert. Und der begleitete Weg aus der Kaufsucht ist längst Teil unseres Wirtschaftssystems. Gesundheitswesen heißt die Branche. Auch hier wachsen die „Kundenzahl“ und damit der „Umsatz“ von Jahr zu Jahr. Es wird gut verdient an den wirtschaftsinduzierten Krankheiten der Menschen. Die Fixierung unseres Wirtschaftssystems auf ständiges Wachstum bedingt zwangsläufig, dass auch der Sektor Gesundheit nicht schrumpfen darf, es den Menschen trotz kostenintensiver Therapien immer schlechter gehen muss, damit die Wirtschaft nicht leidet.

Und was ist mit all den „Normalos“? Deren Lebensmotto da lautet: „Ich kaufe also bin ich!“ Ohne, dass sie krass auffällig werden. Just wie lila Kühe sind inmitten einer lila Herde. Die werden tunlichst nicht therapiert. Schließlich sind sie DIE tragende Säule unserer Wirtschaftsweise. Allzeit bereit ihr vorletztes Quäntchen Lebensenergie zu opfern, für Geld und damit den Konsum von Dingen, von denen sie gestern noch gar nicht wussten, dass sie für ein erfülltes Leben unabdingbar nötig sind. 

Nicht auch ihr letztes Quäntchen Lebensenergie? Nein, das muss bleiben für das Shopping, damit sie nicht etwa im Burnout landen und dann zuhause auf einer Matratze voller Geld festgenagelt sind. Allerdings, im Zeitalter des Online-Shopping sollten auch die fast Ausgebrannten keine Gefahr für die Wirtschaft mehr darstellen. Für das knappe Dutzend Schritte bis zur Haustür, um Lieferungen in Empfang zu nehmen, reicht ein Energieminimum.

Hütte komplett zugestellt? Kein Bock mehr auf Kaufentscheidungen? Kaufmüde? Also in der Freizeit zuhause einigeln! Tür zu, nix hören, nix sehen, nix sprechen? Sich einfach nur erholen von der lauten Welt da draußen?

Tödlich für die Wirtschaft! Schnell weg mit dem Bedürfnis nach Ruhe! Erholung zuhause? Unmöglich! Unproduktiv rumsitzen? Wo gibt`s denn sowas?! Wär ja noch schöner, wenn sich jeder nach Lust und Laune dem Konsum entzieht – einfach so! Wollt ihr die Tourismusindustrie in den Abgrund stürzen? Faule Hunde ihr!

Wir sind so verschieden: schwarz, gelb, weiß… männlich, weiblich, divers… arm, reich, gewitzt, naiv… Und doch alle gleich! Nein, nicht vor Gott. Das war gestern! Heute sind wir aufgeklärt. Heute sind wir es vor der Wirtschaft, die uns spaltet und einteilt in: Gute, die leben um zu kaufen und Böse, die kaufen um zu leben.

Höchste Zeit für AUFKLÄRUNG 2.0! Traut euch!


Çok okunanlar