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Die Ritter der Tafel(n) - Kantig!
              
B. M. AY

"Solange unser ganzes Augenmerk darauf gerichtet ist, dass sich nur ja keiner unberechtigt an den kleinen Töpfen bedient, können sich die an den großen Kesseln klammheimlichsämtliche Güter der Allgemeinheit einverleiben?" stellte Ahmet grinsend fest.

"Exakt!" rief Horst zornig und schlug mit der Hand auf den Tisch.

"Trotzdem", wandte Ahmet ein. "Mal abgesehen davon, dass du mit der Hartz-IV-Problematik Recht hattest. Kostenlose Lebensmittel gibt esnicht an jeder Ecke, und die meisten Supermärktekicken immer noch so davon in die Tonne, dass sich das illegale Containern lohnt. Solange die Supermärkte nicht bedingungslos alles abgeben was übrig ist und zu verderben droht, können Institutionen wie die Tafeln die gespendeten Lebensmittel auch nicht bedingungslos abgeben. Je kleiner das Angebot der Tafeln ist, desto höher müssen sie die Bedürftigkeitslatte für ihre "Kunden" hängen."

"Warst du schon mal dort?" unterbrach Horst.

Ahmet verneinte.

"Dachte ich mir", fuhr Horst trocken fort. "Mir hat man von dem reichhaltigen Obst- und Gemüseangebot vorgeschwärmt. Ich wollte das mit eigenen Augen sehen. Sicher, es war eine Menge da, eigentlich von allem etwas, einiges davon auch in äußerlich gutem Zustand. Aber würdest du - ohne Not - freudig anstehen wollen für milchkaffeebraunen Blumenkohl, glasige Tomaten, teilweise gelbe Gurken, mulchige Äpfel, überreife Birnen, welke Kräuter und vieles andere,das selbst gut gelagert garantiert in zwei Tagen hinüber ist?Ich denke, dass kein halbwegs normaler Mensch sich dorthin begibt, nur um Geld zu sparen. Dazu ist die Hemmschwelle zu hoch und das Angebot zu dürftig."

"Dann ist der Bedürftigkeitsnachweis völlig sinnlos?" überlegte Ahmet laut.

Horst schütteltetraurig den Kopf. "Nein, sagte er dann. "Dieses"Dokument" macht den Inhaber zumAuserwählten, der das Recht hat sich bei der Tafel mit Lebensmitteln zu versorgen. Damit wird der "Warum-auch-immer-in-Not
Geratene" von einem der etwas in Anspruch nehmen muss zu einem, der etwas in Anspruch nehmen darf."

"Und das ist für dich nicht in Ordnung?" fragte Ahmet erstaunt.

"Nein, weil es nichts ist als Augenwischerei, Etikettenschwindel, ein geschicktes Ablenkungsmanöver, um das bestehende soziale Gefüge -trotz allerMissstände, die immer wieder unter der goldenen Decke hervorblitzen -regelhaft zu etablieren. Die Gesellschaft wird dabei so weit von der eigentlichen Lösung des Problems weggeführt, dass sie am Ende das Problem selbst überhaupt nicht mehr wahrnimmt, und im Brustton der Überzeugung behaupten kann, dass es denen da Unten doch prima geht, weil die bei Null-Leistung bestens versorgt werden."

"Die Lösung ist nur über eine Umverteilungvon oben nach unten zu haben", warf Ahmet ein. "Dir ist aber schon klar, dass sich darüber zwar trefflich philosophieren lässt, die Umsetzung indespolitischem Selbstmord gleich kommt.Also, wovon träumst du nachts!?"

"Schnitt!" knurrte Horst und starrte eine Weile schweigend vor sich hin.
"Ich hätte sie gern gefragt, ob sie die ausgelegten Lebensmittel auch selbst uneingeschränkt verzehren würden", fuhr er unvermittelt fort.

"Und? Hast du?" wollte Ahmet wissen.

"Nööö! Weil,hätten sie meine Frage bejaht, ich hätte wahrscheinlich gehen müssen, um nicht an Ort und Stelle zu explodieren", erklärte Horst. "Das wollte ich nicht riskieren."

"Seit wann scheust du die Konfrontation?"

"Bei allem was es an den Tafeln zu beanstanden geben mag, sind weder die Tafeln noch die Ehrenamtlichen verantwortlich für das Grundübel derart ungerechter Verteilung. Die dankbar-unterwürfige Annahme bei der Ausgabe der Lebensmittel und die freundlich-naive Haltung der Ehrenamtlichen dabei, sind nur solange gewährleistet wie sich Geber und Empfänger die Warenspenden gegenseitig schön reden können", antwortete Horst provokant ruhig.

"Schnitt!" fuhr Ahmet seinen Kumpel an. "Seit fast einer Stunde kaust du jetzt hier auf diesem Thema rum. Entweder du hörst damit jetzt sofort auf, oder du präsentierst eine Lösung. Sei sie auch noch so winzig."

"Supermärkte sollten für weggeworfene Lebensmittel entweder ordentlich zur Kasse gebeten werden - etwa über Müllabfuhrgebühren - oderper Gesetz verpflichtet sein noch genießbare Lebensmittel kostenfrei abzugeben. Damit würde sich das Angebot bei den Tafeln, was Qualität und Menge betrifft,schlagartigverbessern."

"Meine Rede!" rief Ahmet zufrieden. "Einfach und schnell umzusetzen, mit dem nötigen politischen Willen versteht sich. Darauf zwei Mokka zum Absch



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