B. M. AY- Integration? – Ayham gibt auf

„Hell, freundlich und gemütlich“, sagte Horst anerkennend nachdem er sich umgesehen hatte.

Ahmet grinste erfreut. „Ja, hier ist der Name Programm. Willkommen im Café AYDIN. Kein Frühstücksbüfett. Dafür eine Viermeter-Theke mit fast allem was die türkische Backstube zu bieten hat. Tee oder Kaffee?“

„Was besser passt, zu einem typisch türkischen Frühstück“, erwiderte Horst.

„Typisch türkisch?“ hakte Ahmet nach. Horst nickte. „Wenn schon, denn schon“, sagte er.

„Wir nehmen zweimal Frühstück Nr. 1“, sagte Ahmet zu dem Mann hinter der Glastheke. Der machte sich kurz am Samowar zu schaffen und brachte dann zwei Gläser dampfenden Tees und zwei Teller mit je einem Sesamkringel und einem Riegel weißen Käses an den Tisch.

Ahmet brach den Kringel in zwei Hälften, biss ein Stück ab und schob sich dazu ein würfelzuckergroßes Stück Käse, dass er mit Daumen und Zeigefinger von dem Riegel auf seinem Teller abbrach, in den Mund. Dann griff er nach dem Teeglas, hielt es gegens Licht und sagte: „Wunderbar, bernsteinfarbener Genuss, so muss der Tee im Glas funkeln.“ Geräuschvoll schlürfte er das heiße Getränk. „Entschuldige“, sagte er verlegen. „Das Schlürfen muss sein, sonst verbrennst du dir den Mund. Außerdem schmeckt der Tee dann gleich nochmal so gut.

„Ja, wenn das so ist“, meinte Horst betont verständnisvoll. Dann genoss er die ungewohnte Mischung aus Hefegebäck, Sesamkörnern, süßem Tee und salzigem Käse in seinem Mund bis zum letzten Bissen.

Der Mann hinter der Theke brachte noch zwei Gläser Tee und fragte, ob es sonst noch etwas sein dürfe.

„Mein Freund hier“, sagte Ahmet und deutet auf Horst, „wird mit dir zur Theke gehen und einen Teller zusammenstellen mit allem, was er gerne kosten möchte. Horst war angenehm überrascht und ließ sich das nicht zweimal sagen, zumal er die Theke mit den süßen und salzigen Köstlichkeiten schon die ganze Zeit vor Augen gehabt hatte.

„Viel zu viel“, stellte er fest, als er mit je einem großen Teller süßen und salzigen Gebäcks an den Tisch zurückkehrte. Er stellte die Teller ab, ging wieder zur Theke und redete auf den Caféhaus-Besitzer ein. Der warf Ahmet einen fragenden Blick zu. Ahmet verstand sofort. „Untersteh dich!“ protestierte er auf Türkisch. „Heute geht alles auf meine Rechnung.“

„Netter Versuch meinen tadellosen Ruf zu ruinieren“, sagte Ahmet nachdem Horst wieder am Tisch saß. Horst blickte irritiert auf, nahm ein Stück Gebäck und biss herzhaft hinein.

„Das nächste Mal darfst du dann zahlen“, beschwichtigte Ahmet.

„Alles?“

„Ja, alles“, bestätigte Ahmet. „Dann sind wir quitt.“

„Abgemacht!“ sagte Horst erfreut. „Getrennte Rechnung geht hier wohl gar nicht?“

„Nicht unter Freunden“, nickte Ahmet, griff nun ebenfalls zu und mümmelte gut gelaunt von dem was sein bester Freund ausgesucht hatte. Horst war vollauf damit beschäftigt den geschmacksgebenden Zutaten der Köstlichkeiten auf die Spur zu kommen und Ahmet ließ ihn schweigend gewähren. Die dritte Runde Tee stand dampfend auf dem Tisch als Ahmet plötzlich aufstand.

„Ayham, Brüderchen“, rief er erfreut in Richtung Eingangstür. „Ich dachte du seist längst über alle Berge.“ Dann stellte er noch einen Stuhl an den Tisch und ließ auch für den Neuankömmling Tee kommen.

„Morgen früh ist es soweit“, sagte Ayham. „Khaled wollte plötzlich auch mit, hatte aber noch einiges zu regeln.“

„Das ist Ayham aus Syrien“, erklärte Ahmet. Dann überlegte er kurz, grinste neckisch und stellte Ayham seinen deutschen Freund vor: „Und das ist Horst“, sagte er, „mein Integrationslotse in Deutschland seit gut 40 Jahren.“

Ayham lächelte freundlich, begrüßte Horst mit Handschlag, setzte sich an den Tisch, nahm ein Anstandsstück von dem Gebäck, dass Ahmet ihm mit einer Handbewegung anbot und trank seinen Tee während er sich eine knappe Viertelstunde mit Ahmet auf Türkisch unterhielt.

Von Zeit zu Zeit unterbrach Ahmet den Syrer mit einer Zwischenfrage, hörte ansonsten aber einfach nur aufmerksam zu. Gleichzeitig hatte er auch Horst im Blick, um sicher zu gehen, dass der sich nicht abgehängt fühlte.

Schließlich stand Ayham auf, nahm den letzten Schluck Tee, reichte Horst wieder die Hand und sagte: „Ich habe viele gute Menschen getroffen in deinem Land.“

Nun erhob sich auch Ahmet, umarmte Ayham, klopfte ihm ausgiebig auf die Schulter, räusperte sich und sagte dann mit fester Stimme: „Gute Reise, Brüderchen. Lass von dir hören und grüß mir den Tankstellenbesitzer gleich rechts am Ortseingang. Der ist ein Enkel des Cousins meines Großvaters mütterlicherseits.“

Fortsetzung folgt …